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Die Folklore

Die Folklore

 

 folklore.jpgAls Marionette und Folkloreheld verkörpert Tchantchès (so die wallonische Form des Vornamens Franz) den Lütticher schlechthin, der gemeinhin als starrköpfig, aufsässig und trinkfest gilt. Der Legende nach wird er im Jahr 760 in Djus-d’la-Moûse, dem Arbeiterviertel Outremeuse, zwischen zwei Pflastersteinen geboren. Die braven Leute, die ihn finden, freuen sich, ihn bereits mit seinem ersten Schrei nach «pèket», dem heimischen Wacholderschnaps verlangen zu hören. Schon sehr früh erweist sich unser Tchantchès zugleich als echter Lümmel und guter Kamerad – jedenfalls aber mit eigenem Kopf. Nanesse, sein Schätzchen, ist mutig und liebevoll, lässt sich aber von Tchantchès nichts vormachen.


Das Marionettentheater

Tchantchès spricht mit dem Publikum (meist Familien) in einer Mischung aus Französisch und leicht verständlichem Wallonisch, und lädt es ein, ihn auf seinen Abenteuern zu begleiten. Diese stehen zumeist mit Episoden aus dem Leben Karls des Großen in Verbindung. Tchantchès kommt dem Kaiser zu Hilfe, indem er mit heftigen Tritten seiner Holzpantinen den Teufel oder die Hexe bekämpft.


Die Feiern zum 15. August

Das unumgängliche „Fest des Jahres“ findet im Stadtviertel Outremeuse statt. An vier Tagen sind alle Straßen des Viertels und alle Wandkapellen hell erleuchtet, die Straßen sind voller Menschen und der Pèkèt fließt in Strömen. Auf dem Programm stehen: Marionettenaufführungen, Folkloretänze, der Umzug der Schwarzen Madonna, eine Messe unter freiem Himmel mit einer Predigt auf Wallonisch, die traditionellen «tirs de campes» (700 mit Schwarzpulver gefüllte, gusseiserne Behälter unterschiedlicher Größe werden unter ohrenbetäubenden Lärm gesprengt), ein Umzug verschiedener Folkloregruppen mit geschmückten Wagen und Riesen, volkstümliche Spiele, Konzerte…


Die Studentenfolklore

Auch das akademische Jahr folgt einem Rhythmus von Studentenfesten. Am Anfang des Jahres finden die Einführung der Erstsemester und die Studententaufen statt, im Dezember folgt die «Nikolausfeier» der Studenten, bei der auf der Straße Geld gesammelt und damit gefeiert wird, im März wird «Saint-Torê» begangen («Torê» ist wallonisch für «Stier»; aus diesem Anlass finden mehrere Studentenpartys sowie ein großer, folkloristischer Umzug und ein 4stündiges Rollerrennen statt). Wundern Sie sich also nicht, zu gewissen Zeiten des Jahres Gruppen von übelriechenden, leicht schwankenden, eher abgerissenen wirkenden Jugendlichen in bekritzelten weißen Kittelschürzen mit einer «penne» auf dem Kopf (einer Schirmmütze mit besonders großem Schirm) zu begegnen. Diese Attribute sind bei Studentenorgien unverzichtbar.

 

Ein wenig vokabular ... Belgisch für Anfänger

oufti : typisch Lütticher Ausruf des Staunens oder der Überraschung, etwa: «Ach du lieber Himmel!»
potale : kleine, der Jungfrau Maria geweihte Wandkapelle (Lüttich)
aubette : ein Zeitungskiosk oder ein Wartehäuschen (in ganz Belgien)
drache : heftiger Regenschauer (in ganz Belgien)
kot : Studentenzimmer (in ganz Belgien – wird «kott» ausgesprochen!)
guindaille : Studentenfest, Sauferei (in ganz Belgien)
trémie : eigentlich Trichter, hier Tunnel (Lüttich)
 

Bei tisch ... Einige lütticher spezialitäten

pèkèt : Wacholderschnaps
chique : Bonbon (typisch Lütticher Ausdruck)
bonbon : Keks (ebenfalls eine Lütticher Besonderheit, ansonsten bedeutet dieses Wort auch im Französischen «Bonbon»)
mitraillette : Sandwich mit… Pommes!
cramique : Milchbrötchen mit Rosinen und Perlzucker
sauce lapin : so bezeichnet man die süßsaure Sauce zu den Lütticher Fleischklopsen (wörtlich: Kaninchensauce)
goulafe : Vielfraß


Ein paar nette worte auf wallonisch

crapôde : «Mädchen» oder auch «Freundin» (im Sinne von «Partnerin»)
galant : Freund (im Sinne von «Partner»)
binamé : lieb, nett... "Il est bien binamé"
poyon : Küken... "Mi p’tit poyon", Kosewort
mi p’tite gueûye : wörtlich: «Mein Mäulchen», Kosewort
mamé : lieb, nett, auch: niedlich


Ein paar sehr viel weniger nette worte auf wallonisch

èwaré : erstaunt, baff
bièsse : idiotisch, blöde
Lêd djône : Rotzbengel
Clô t’gueûye : Halt die Klappe!
Va-s’ti fé arèdjî : Scher dich zum Teufel!
 

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