Sie sind hier: Startseite / Entdecken / Kultur / Museen / La boverie / Die Sammlung / Das Werk des Monats / Archives / Werk des Monats: Bartel Bruyn le jeun, Porträt eines Mannes
Artikelaktionen

Werk des Monats: Bartel Bruyn le jeun, Porträt eines Mannes

Ein Lütticher Porträt mit deutschen Zügen...



Bartel Bruyn der Jüngere (zugeschrieben)

Köln, um 1530 - um 1607-1610

Porträt eines Mannes

Zweites Drittel des 16. Jahrhunderts

Öl auf Leinwand, 48,5 x 33,5 cm.

Inv. BA.WAL.05a.1954.300

 

Bei einer öffentlichen Versteigerung im Jahr 1945 erwarb das Museum für wallonische Kunst dieses Männerporträt, das als das des Malers Lambert Lombard am Ende seines Lebens dargestellt wurde. Eine lateinische Inschrift auf dem Rahmen bezeichnet das Werk als ein "obiit"-Porträt, eine Gedenktafel, die üblicherweise den Namen und das Wappen des Verstorbenen trägt 1 . Bei Beerdigungen war es üblich, das Porträt gut sichtbar aufzustellen.

Nach einer eingehenden stilistischen Analyse durch den Kunsthistoriker Didier Martens wurde das Gemälde der kolonialen Schule aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zugeordnet und dem Maler Barthel Bruyn dem Jüngeren (um 1530 - um 1607-1610) zugeschrieben. Diese Bezeichnung unterscheidet ihn von seinem Vater, bei dem er seine Ausbildung absolvierte, Barthel Bruyn dem Älteren.

Dieses Ölgemälde ist auf einer Eichenholzplatte ausgeführt, deren oberer Teil mit Laubsägearbeiten versehen ist 2. Der Rahmen ist original: Die vier Pfosten sind gezapft und werden von zwei Holzdübeln an jeder Ecke zusammengehalten.

Das Werk wurde bereits früher restauriert, aber dieser frühere Eingriff ist schlecht gealtert. Ein dicker, oxidierter Firnis bedeckte die gesamte Malerei und trübte die Komposition erheblich. Zahlreiche Übermalungen (ausufernde Retuschen) verdeckten die Abnutzungen und Lücken in der Malschicht. Diese mit Ölfarben hergestellten Übermalungen wurden im Laufe der Zeit immer dunkler und störten die gute Sichtbarkeit des Kunstwerks. Der schwarze Mantel der Figur war beispielsweise vollständig mit einer homogenen Übermalung in der gleichen Farbe bedeckt.

Der Untergrund ist in einem sehr guten Erhaltungszustand. Nur einige kleine Hebungen der Malschicht zeugen von einer leichten Beanspruchung der Tafel durch zu starke Klimaschwankungen.

Nach einer Fixierung der Malschicht, die weitere Materialverluste verhindert, wurde eine Enteisung des Werkes vorgenommen. Zuvor war die Tafel aus ihrem Rahmen entfernt worden. Kleine lokale Retuschen und Übermalungen wurden ebenfalls entfernt.

Die Malschicht ist dünn und wird auf eine ungebleichte Präparation aufgetragen, die mit einer farbigen, beige-rosafarbenen Druckschicht überzogen ist. Diese Schicht hat die Funktion, die Farbtöne durch Transparenz zu erwärmen. Die Reinigung des Werkes brachte eine recht lückenhafte und abgenutzte Malerei zum Vorschein, die jedoch eine sehr schöne Ausführungsqualität aufweist, die durch die Retuschearbeiten hervorgehoben werden konnte.

Parallel zur Restaurierung des Gemäldes wurden mehrere wissenschaftliche Untersuchungen an dem Gemälde durchgeführt. Eine Röntgenaufnahme des Rahmens enthüllte eine Inschrift, die unter der heutigen lateinischen Inschrift verborgen war. Ebenso wurden dank einer Beobachtung unter dem Binokular alte Buchstaben freigelegt. Durch das Lesen des Röntgenbildes konnte ein deutscher Text teilweise gelesen werden. Bei dem abgebildeten Mann soll es sich um einen gewissen Johann handeln, der im Februar 1576 starb. Es ist ziemlich erstaunlich, dass das sichtbare lateinische Gebet eine fast wortgetreue Übersetzung der zugrunde liegenden deutschen Inschrift ist: ALL MEIN HOFFEN IN GOTT IOHANN VON... OBIIT ANNO DOMINI 1576DIE ... FEBRUARII. Leider ist die Lesung des Namens unvollständig und es fehlen uns Informationen, um die vollständige Identität des Auftraggebers feststellen zu können. Es wäre verlockend, die späte Inschrift zugunsten der ursprünglichen Beschriftung zu entfernen, um dieses Geheimnis zu lüften. Damit würde ein Teil der Geschichte dieses Kunstwerks, das durch einen Identitätsdiebstahl in die Lütticher Sammlungen gelangte, für immer verschwinden.

Audrey JeghersRestauratorin bei den Musées de la Ville de Liège (Museen der Stadt Lüttich)
 

1. D. Martens, Stellt das obiite Porträt von Lambert Lombard tatsächlich den Lütticher Maler dar?, Wallraf-Richartz-Jahrbuch, 52, 1991,
pp.77-90.
2. Abgerundete Form der Tafel, die aus einer Kurve und Gegenkurven besteht.