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Werk des Monats - Der Spaziergang im chinesischen Garten

MADE IN CHINA
Der Spaziergang im chinesischen Garten


 

Anonym
Der Spaziergang im chinesischen Garten, 19.
Öl auf Leinwand, 44,5 cm x 58,5 cm.
Vermächtnis Maxime de Soer de Solières 1936, Nr. 517.
Inventarnummer: BA.AAN.05b.1936.000948 (BA 1609).
Museum der Schönen Künste

Die Sammlung des Museums der Schönen Künste enthält atypische Werke, deren Herkunft manchmal sehr mysteriös ist. So ist es auch bei diesem Ölgemälde, das vier Chinesen im Garten zeigt. Lassen Sie uns auf eine Reise gehen und träumen, indem wir in die Ungewöhnlichkeit dieses chinesischen Spaziergangs eintauchen.

EINE ZWEIDEUTIGE IDENTITÄT

Dieses Gemälde wird fälschlicherweise als "Chinoiserie" identifiziert, d. h. als westliche Malerei des frühen 18. Jahrhunderts, die einen fantasievollen Orient in Form von Sketchen darstellt. Im 17. Jahrhundert öffnete China zögerlich seine Grenzen. Einige wenige Einzelreisende brachten von ihren Reisen außergewöhnliche Berichte mit, die die Neugier auf diese unbekannten Länder förderten.

Im folgenden Jahrhundert erlebte das Phänomen eine Blütezeit: Privatpaläste in ganz Europa wurden mit diesen dekorativen Chinoiserien geschmückt. Der Besucher findet sie übrigens im Curtius-Museum, genauer gesagt in den Salons des Hotels de Hayme de Bomal.

Dennoch weist der Spaziergang im chinesischen Garten einige einzigartige Merkmale auf, die ihn von den Chinoiserien unterscheiden. Das beginnt mit dem "autonomen" Rahmen, der es zu einem unabhängigen dekorativen Möbelstück macht, das nicht in die Architektur integriert ist. Das Werk fällt auch durch seine Farbenpracht, die detaillierte Darstellung des Dekors und seine bescheidenen Ausmaße auf.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass es in einem anderen Jahrhundert und auf einem anderen Kontinent entstanden ist. Weitere Untersuchungen in den Sammlungen anderer Museen ergaben, dass das kleine Format des Werkes und sein Thema besonders spezifisch für eine asiatische Produktion sind.

DEM EXPORT GEWIDMETE SOUVENIRS AUS CHINA

Jahrhundert in Kanton, Macao und Hongkong in Massenproduktion für westliche Kunden hergestellt wurde. Diese Städte und ihre Häfen erlebten damals eine Blütezeit und wurden zu einem Treffpunkt für Händler aus aller Welt. Chinesische Händler erkannten den Profit und widmeten sich ausschließlich der Herstellung von dekorativen Souvenirs, die westliche Sammler anzogen: Porträts auf Glas, Ölgemälde von Hafenansichten, Gouachen und Aquarelle, chinesische Möbel, vergoldete Lackwaren und .... kleine Ölgemälde, die Szenen aus Innenräumen oder von Spaziergängen in Gärten darstellen.

Es wurden zahlreiche Ateliers chinesischer Maler eröffnet, die bemerkenswerterweise westliche Techniken anwendeten, darunter Öl auf Leinwand oder Gouache auf Papier. Diese Art von Malerei wurde in ganzen Schiffsladungen nach Europa und auch in die USA verschifft. Diese Werke befinden sich noch heute in privaten Sammlungen und Museen auf der ganzen Welt.

DIE BELEBTE LANDSCHAFT DER KORKENSAMMLUNGEN

Die Szene zeigt eine vornehme Chinesin, die ein gepflegtes Kostüm trägt. Ein Dienstmädchen dient ihr als Fremdenführerin. Zwei Kinder begleiten sie und tragen einen Korb mit Blumen. Die Szenerie ist einfach, aber detailliert.

Im Hintergrund erstreckt sich eine große Wasserfläche, die von weißen Pavillons und Mauern umgeben ist, die private Gärten umschließen. Zwei große Seifenbäume breiten sich hinter den Spaziergängern aus: Zierbäume, die im Sommer schöne gelbe Trauben hervorbringen, die in den Gärten duften. Blumenbeete mit schillernden Farben säumen den Spaziergang.

Ein Element stellt ein absolutes Muss in einem traditionellen chinesischen Garten dar. Es handelt sich um die Gelehrtenfelsen: ein natürlicher oder gemeißelter Fels, der von den chinesischen Gelehrten geschätzt wird. Sie werden über Generationen hinweg, manchmal sogar seit über tausend Jahren, gepflegt und entlang von Wasserstellen platziert. Die Praxis geht bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. zurück.

Dieses Detail zeigt die mächtige Symbolik des chinesischen Gartens, der als ein verkleinertes Modell des Universums angesehen wird. Er ist ein Ort des Vergnügens, aber auch ein Medium der Kontemplation. Sein Aufbau basiert auf grundlegenden Prinzipien, die einen Kompromiss zwischen perfektem Gleichgewicht (Feng Shui) und reiner Ästhetik darstellen.

Mit dem Spaziergang im chinesischen Garten beweist das Museum der Schönen Künste Lüttich, wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, den großen Reichtum seiner Sammlungen. Es gibt nur wenige Museen, die diese chinesischen Exportgemälde besitzen.

Grégory Desauvage
Konservator
Museum der Schönen Künste